HR-Manager diskutieren zur Krise – Warum jetzt Handeln gefragt ist!
Das 3. Personalforum der FH Ludwigshafen (25.11.2009) unter dem Titel „Akut handeln – perspektivisch denken – Personalpolitik im Spannungsfeld von Wirtschaftskrise und langfristigen Trends“ setzte sich mit den brennenden HR-Themen der gegenwärtigen Krise auseinander.
Allein schon die Einschätzung der gegenwärtigen Situation in der Wirtschaft war sehr unterschiedlich – zwischen „Die Krise ist wahrscheinlich überwunden“ und „Da kommt noch etwas nach“ schwankten die Meinungen.
Überwiegend einig dagegen waren sich die Anwesenden, dass das Personalmanagement einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung leisten kann (allein bis zu 70 Instrumente zur Abwendung von Kündigungen wurden gezählt).
Die größte Krise seit vielen Jahrzehnten hat eine Komplexität erreicht, die das Fassungs- und Lösungsvermögen der meisten (oder besser aller) Manager bei Weitem übersteigt. Wer bislang mit den vielen schönen Management-Tools à la St. Gallen oder Harvard erfolgreich gearbeitet hat („Kennzahlen-Management“), der merkte plötzlich, dass damit allein kein Unternehmen erfolgreich aus den Turbulenzen geführt werden kann. Ratlosigkeit, Flucht in den Aktionismus sind die üblichen Reaktionen, aber sie helfen bekanntlicherweise nicht weiter.
Was ist jetzt zu tun, was hilft weiter?
1. Das Personalmanagement in den Firmen muss noch stärker in die strategischen Entscheidungen der Geschäftsführungen eingebunden werden. Ansonsten haben wir nicht viel aus der aktuellen Lage gelernt. HR-Manager sehen viele Dinge aus einer anderen, aber auf den Menschen fokussierten Brille und leisten einen entscheidenden Beitrag für die Zukunft.
2. Glaubwürdigkeit und Vertrauen – zwei Begriffe/Werte, die in den letzten Monaten stark gelitten haben. Verspieltes Vertrauen lässt sich nach der Krise nicht wieder mit schnellen Benefits und Wellness-Aktionen kompensieren.
3. Es gibt Themen, die mit der Krise nichts zu tun haben und die jetzt, nicht später in besseren Zeiten, angegangen werden müssen (Demografiewandel erkennen und langfristig handeln, Talentmanagement als Zukunftsprogramm im Unternehmen starten). Die Spezialistenlücke kommt, Verschieben der Aktivitäten ist fahrlässiges Handeln und wird von den Bewerbern bzw. vom Nachwuchs hart bestraft. Wenn Geschäftsführungen das nicht so sehen, dann leben sie nach dem Motto: „Unternehmen erfolgreich aus der Krise geführt, aber die Zukunftsfähigkeit verspielt“.
4. Bildung, Qualifizierung – jetzt! Zuwarten in der Wissensgesellschaft bringt lediglich Rückschritt und lässt Deutschland weiter auf den hinteren Rankingplätzen verharren.
5. Die „Personaler“ sollten sich deutlicher einmischen in eine motivierende, aber realistische Vergütungsgestaltung für das Management und die Auswahl von Führungs- bzw. Nachwuchskräften überdenken – und damit Einfluss nehmen auf Werte, Ethik, Moral dieser Zielgruppen.
6. Wir alle müssen ein völlig neues Verständnis von Arbeit entwickeln. Das klassische Arbeitsverhältnis (lebenslang bei einem Arbeitgeber, völlige Sicherheit usw.) funktioniert ja schon längere Zeit nicht mehr – und jeder weiß es. Aber die Konsequenzen ziehen die meisten nicht. Jetzt aber müssen neue Arbeitsformen her, die den Menschen Perspektiven aufzeigen, erprobt und immer wieder neu erfunden werden.
7. Innovation, Kreativität allein führen uns nicht aus der Krise. Sie können sicherlich dabei helfen und sie sind die Basis für eine erfolgreiche Zukunft. Dazu brauchen die Unternehmen die junge Generation, Diversity, engagierte Frauen usw.
Und noch etwas: Es ist immer gut, mit dem Finger auf andere zu zeigen – der und die sind Schuld. Die müssen sich ändern, die müssen etwas tun. Mit solch einer Haltung hat man erst einmal Zeit gewonnen, kann von sich ablenken und evtl. jammern. Aber das scheint ja eine deutsche Mentalität zu sein.
Doch: Wer jammert, hat noch Reserven!
Darum ist Optimismus Pflicht. Weil Pessimismus ein schlechter Wegweiser ist und wir ihm dennoch allenthalben begegnen. Vor allem in den Medien gilt "only bad news are good news". Für unsere ganz persönliche Entwicklung und die Zukunft unserer Gesellschaft bzw. Wirtschaft wäre es besser, wir würden stärker auf unsere positiven Möglichkeiten und Chancen achten. Denn Beachtung schafft Verstärkung.
