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27.08.2009

Das Internet als Karrierekiller? Der Bewerber als gläserner Mensch

Deutsche Unternehmen greifen bei ihrer Personalauswahl immer öfter systematisch auf Informationen über Bewerber aus dem Internet zurück.

Laut einer Studie des Dimap-Instituts für die Bundesregierung erklärten 28 Prozent der befragten Unternehmen, sie würden bei der Auswahl von Bewerbern gezielt Daten aus dem Internet recherchieren. In vier von fünf Fällen geschehe dies sogar vor einer möglichen Einladung zum Bewerbungsgespräch.

Zu diesen persönlichen Informationen gehörten z.B. Hobbys, private Interessen und Vorlieben oder Meinungsäußerungen. Viele Bewerber würden dann wegen oft arglos ins Internet gestellter Angaben später gar nicht erst zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen.

Vor allem abfällige Bemerkungen über ihre gegenwärtige oder vergangene Jobsituation kommen bei Personalmanagern nicht gut an. Auch sehr Privates wie Partybilder bewerten viele Arbeitgeber kritisch. Dagegen wirken sich positiv Informationen über soziales Engagement aus (Mitarbeit in Vereinen, karitative Organisationen usw.).

In der Umfrage erklärten immerhin 36 Prozent dieser Unternehmen, man nutze im Bewerbungsverfahren auch Informationen aus sozialen Netzwerken. 20 Prozent tun dies regelmäßig oder gelegentlich, 16 Prozent eher selten.

Das Internet und die vielen sozialen Netzwerke wie Xing, Facebook oder StudiVZ haben natürlich Vorteile in der heutigen vernetzten Kommunikationsgesellschaft. Bei solchen Internetangeboten machen Nutzer häufig sehr private Angaben, die sie eigentlich nur mit Freunden und Bekannten austauschen wollen. Dadurch kann sich der potenzielle Bewerber angreifbar machen, wenn er bedenkenlos Privates von sich preisgibt. Doch bei all den Annehmlichkeiten der Web-Welt gilt es, gesellschaftliche Kommunikationsregeln einzuhalten und die Privatsphäre zu schützen.

Datenschutzexperten weisen darauf hin, dass die Nutzung der privaten Angaben im Grunde genommen verboten sei – dies aber kaum zu verhindern sei. Peter Schaar, der Bundesbeauftragte für Datenschutz sagt: "Wer Daten über sich ins Internet stellt, der muss damit rechnen, dass andere diese Informationen auch abrufen."

Allerdings kann ein Bewerber auch mit seiner Internet-Darstellung bei Arbeitgebern punkten. Für 56 Prozent wird ein Jobsuchender manchmal gerade durch die zusätzlichen Informationen aus dem Internet interessant. Neutral bewerteten es 75 Prozent der Unternehmen lt. Dimap-Umfrage, wenn im Internet überhaupt nichts über einen Bewerber zu finden ist. 

Immer mehr Bewerber stolpern einer Studie des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU) zufolge über Spuren, die sie im Netz hinterlassen. „Offensichtlich gehört es mittlerweile für viele Personalberater dazu, das Internet auf den Namen des Kandidaten zu durchsuchen“, sagt BDU-Vizepräsident Joachim Staude.

Staude erklärt jedoch, dass das Web für professionelle Personalberater immer nur eine ergänzende Informationsquelle sein könne. In Einzelfällen halte es wertvolle Anhaltspunkte für die Auswahl einer Fach- oder Führungskraft bereit. Zu achten sei bei Online-Quellen aber darauf, dass der Urheber der Information glaubwürdig sei und keine Namensverwechslungen vorlägen.

Was also kann ein Bewerber unternehmen, um von sich selbst ein möglichst positives Bild im Internet zu „zeichnen"? In jedem Fall sollte er eine Recherche starten, um zu erfahren, was über die eigene Person im Internet zu finden ist. Diese Bestandsaufnahme hilft, unangenehme Daten anschließend gegebenenfalls selber zu löschen oder die Urheber, die Informationen im Internet veröffentlicht haben aufzufordern, gewisse Inhalte zu löschen. Oftmals ist das aber nicht möglich. Die oberste Regel im sicheren Umgang mit dem Internet ist, dass nicht zu viele persönliche Informationen preisgegeben werden sollten.

Dann kann nicht passieren, was eine Schweizerin erfahren musste. Sie war wegen schwerer Migräne krankgeschrieben und versendete auf Facebook Beiträge. Ihr Arbeitgeber erfuhr davon und schickte ihr die fristlose Kündigung mit der Begründung: "Wer auf Facebook sein kann, kann auch arbeiten."